VERANSTALTUNGSREIHE – KRITIK AN SCHULE, ERZIEHUNG UND GESELLSCHAFT

DI 01.11.2011 19.00 UHR GIESZER 16 / LESECAFE
Gießerstraße 16, 04229 Leipzig / Plagwitz
Warum eine Wissenschaft von der Erziehung überflüssig ist und warum es sie dennoch gibt
Um heranwachsende Menschen mit dem Wissen, den Kenntnissen und Fertigkeiten auszustatten, die es ihnen ermöglichen, sich zum Subjekt ihrer Geschicke zu machen, braucht es nicht viel. Zunächst einmal braucht es dafür einen Willen, sich wirklich kundig zu machen, dafür Zeit zu opfern und die Mühen des Lernens auf sich zu nehmen.
Dann sind Menschen von Nöten, die sich in all dem, was zu lernen ist, gut auskennen, die also den Lernstoff“ tatsächlich beherrschen und bereit sind, anderen etwas Vernünftiges beizubringen. Das ist alles, mehr braucht es nicht – und eine Wissenschaft von der Erziehung schon gleich nicht. Dennoch gibt es sie, und sie gilt als unabdingbare Voraussetzung für die Ausbildung zum Lehrer bzw. Erzieher. Motivationstheorien verweisen darauf, dass es mit dem Lernwillen des Schülers nicht zum Besten bestellt ist. Wieso eigentlich? Begabungstheorien liefern Ideologien, mit denen Ergebnisse schulischen Lernens gerechtfertigt werden. Warum ist das nötig? Sozialisationstheorien klären auf über Chancenunterschiede von Schülern. Warum gibt es die? Angehende Lehrer werden über eine Krankheit namens ADHS – eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung – informiert, die komischerweise vor allem in der hiesigen Staatsschule auftaucht. Wieso wird fehlende Aufmerksamkeit gleich als Krankheit eingeordnet? Immer neue Erziehungsziele brütet die Erziehungswissenschaft aus: Ganz neu ist die Erziehung zur Frustrationstoleranz; und das Erlernen sozialer Kompetenzen soll auch ganz bedeutsam sein. Wozu taugt so etwas? Usw.
Was da an Wissenschaft unterwegs ist und sich immer mehr
aufplustert hat Gründe, die nicht im Erziehen, Lernen oder
Unterrichten liegen, sondern allein in der Art und Weise, wie
Erziehung im Kapitalismus ausgerichtet und organisiert ist.
All das wird im Vortrag nachgewiesen und zur Debatte gestellt.
Freerk Huisken
Von 1971 bis 2006 Hochschullehrer an der Uni Bremen am
Lehrstuhl für „Politische Ökonomie des Ausbildungssektors“.
Publikation bitte meiner homepage entnehmen:
http://www.fhuisken.de


MI 16.11.2011 19.00 UHR GIESZER 16 / LESECAFE
Gießerstraße 16, 04229 Leipzig / Plagwitz
Erfolgreiches Werden -
oder erfülltes Sein?
Wer bestimmt eigentlich
die Qualität
meines Lebens?
Das gesellschaftliche Versprechen ist einfach: Anpassung, Fleiß, gutes Funktionieren, kurz: die Wohlerzogenheit werden belohnt mit Geld und Erfolg und allgemeiner Anerkennung. Das herrschende System sichert sich sein Fortbestehen durch einen schleichend, unmerklich, gar scheinbar logisch und einfach daherkommenden Zwang; der Person bleibt zumeist nichts anderes übrig als zu erkennen und anzuerkennen, daß ihr wahres Leben falsch ist und die zivilisatorische Existenz erstrebenswert, ja gar unausweichlich, schicksalhaft…
Gewiß kann das Erkennen einer Unvereinbarkeit meiner Person und Lebendigkeit mit den Erwartungen des Systems dramatische Konflikte, Krisen, Krankheiten entstehen lassen: Sollen, müssen diese kriegerisch bekämpft werden? Muß ich mit noch mehr Kraft die Anpassung meines Wesens erzwingen, bis ich mich sogar mit der Lüge der zivilisatorischen Wohlerzogenheit identifiziere? Bedarf ich hierfür einer Therapie, zumindest einer Lebensberatung?
Mich unabhängig von einer herrschenden Entfremdung und
Wohlerzogenheit zu machen, beginnt mit der Klärung, daß es hier um mich geht: Denn wer kann eigentlich die Qualität meines würdigen und selbstbestimmten Lebens definieren – wenn nicht ich selbst?
Bertrand Stern
Bertrand Stern, Siegburg, freischaffender Philosoph,
greift seit über vier Jahrzehnten, als Teil einer radikalen Zivilisationskritik, insbesondere Aspekte der Kritik an Erziehung und Schule. Zahlreiche Publikationen, u.a. im leipziger tologo verlag.
Näheres unter: http://www.bertrandstern.com


MI 07.12.2011 19.00 UHR GIESZER 16 / LESECAFE
Gießerstraße 16, 04229 Leipzig / Plagwitz
Mythos Schule
Bildung und Lernen können heute nur dann nachhaltig gelingen, wenn sie „entschult“ werden und sich an Erkenntnissen aus den Sozialwissenschaften orientieren. Ulrich Klemm diskutiert traditionelle Vorstellungen von Schule, die er als Mythen bezeichnet:
– Schule sichert Wissen
– Schule schützt Kinder
– Schule garantiert kulturellen Fortbestand
– Heute wissen wir alles besser.
Erst wenn wir es wagen, Bildung konsequent „vom Kinde aus“ zu denken – wie dies bereits vor über 100 Jahren die Reformpädagogik tat, werden wir den Blick frei bekommen für eine nachhaltige Veränderung unseres Bildungssystems.
Ulrich Klemm
Ulrich Klemm studierte Sozialwissenschaften und ist Diplom-Pädagoge. Er arbeitet als Lehrbeauftragter für Pädagogik und Honorarprofessor für Erwachsenenbildung an der Universität Augsburg sowie Lehrbeauftragter für
Erziehungswissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Weingarten und derzeit als Vertretung der Professur Kompetenzentwicklung und Lebenslanges Lernen an der Universität Leipzig.

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